Aufgaben einer Testamentsvollstreckung

Welche Funktion hat ein Testamentsvollstrecker?

Hatte der Erblasser kein Testament errichtet, tritt gesetzliche Erbfolge ein. In aller Regel entsteht dadurch eine Erbengemeinschaft, d.h. es gibt nicht nur einen Alleinerben, sondern mehrere Erben erhalten den Nachlass gemeinsam. Dies kann z.B. bei dem Tod eines Elternteils dazu führen, dass der überlebende Ehepartner zusammen mit den Kindern eine Erbengemeinschaft bildet. Alles dasjenige, was der Erblasser hinterließ, muss nun gemeinschaftlich verwaltet werden, bis der Nachlass auseinandergesetzt ist. Wichtige Entscheidungen müssen einstimmig getroffen werden. Oft haben sich im Rahmen der Erbauseinandersetzung schon Familien zerstritten, weil sie selbst über Kleinigkeiten nicht einig wurden. Dem kann durch eine Testamentsvollstreckung abgeholfen werden. Nicht die Miterben verwalten den Nachlass und teilen diesen unter sich auf, sondern ein „externer Dritter“, nämlich der Testamentsvollstrecker, übernimmt diese Aufgabe. Er ist derjenige, den der Erblasser in seinem Testament mit diesen Aufgaben betraut und dazu bestimmt. Er ist der Objektivität und Neutralität verpflichtet und, wenn er seine Aufgaben ernst nimmt, in der Lage, zwischen den Streitparteien zu vermitteln. Deshalb finden seine Vermittlungsvorschläge und Bemühungen zur schiedlich-friedlichen Auseinandersetzung der Familie des Erblassers eher Zustimmung der Beteiligten als die Ansichten der Streitparteien. Die Testamentsvollstreckung ist daher der „Königsweg“, um nach dem Tod des Erblassers Frieden in der Familie zu behalten. 

Anordnung einer Testamentsvollstreckung

Wo wird eine Testamentsvollstreckung angeordnet?

Ausschließlich in einer letztwilligen Verfügung (Einzeltestament, Ehegattentestament, Erbvertrag) kann der Erblasser eine Testamentsvollstreckung anordnen. Deshalb muss dies – z.B. in einem privatschriftlichen Testament – handschriftlich niedergelegt und unterschrieben sein. 

Arten einer Testamentsvollstreckung

Welche Testamentsvollstreckungen gibt es?

Je nach Aufgabe, die der Testamentsvollstrecker nach dem Willen des Erblassers nach seinem Tode durchführen soll, gibt es verschiedene Arten der Testamentsvollstreckung:

  • Abwicklungsvollstreckung (§§ 2203, 2204 BGB)
  • Verwaltungsvollstreckung (§ 2209 S. 1, 1. Halbs. BGB)
  • Dauertestamentsvollstreckung (§ 2209 S. 1, 2. Halbs. BGB)
  • Testamentsvollstreckung mit beschränkten Aufgabenkreis (§ 2208 BGB)
  • Erbteilsvollstreckung
  • Nacherbenvollstreckung (§ 2222 BGB)
  • Vermächtnisvollstreckung (§ 2223 BGB)

Welchen Inhalt hat eine Abwicklungstestamentsvollstreckung?

Die gesetzliche Grundregel geht davon aus, dass die Testamentsvollstreckung zur Abwicklung des Nachlasses eingerichtet wird, §§ 2203, 2204 BGB. In diesen Fällen ist dem Testamentsvollstrecker die Aufgabe übertragen,

  • die Anordnungen des Erblassers in seinem Testament (z.B. Auflagen, Vermächtnisse zu erfüllen, den Nachlass auseinandersetzen, usw.) auszuführen,

  • im Rahmen einer Erbengemeinschaft den Nachlass vorrangig nach den Anweisungen des Erblassers und in zweiter Linie nach den gesetzlichen Regeln auseinanderzusetzen,

  • die Nachlassverbindlichkeiten zu erfüllen, also offene Rechnungen zu bezahlen.

  • die Erbschaftsteuer zu erledigen.

Die Nachlassauseinandersetzung muss der Testamentsvollstrecker alsbald nach dem Todesfall durchführen, andernfalls er auf Schadenersatz haftet oder sogar entlassen werden kann (§ 2227 BGB). Hat der Testamentsvollstrecker den Nachlass abgewickelt, endet die Testamentsvollstreckung von selbst.

Welchen Inhalt hat eine Verwaltungstestamentsvollstreckung?

Bei dieser Art der Testamentsvollstreckung hat der Testamentsvollstrecker nur die Aufgabe, den Nachlass zu verwalten, nicht jedoch abzuwickeln (§ 2209 S. 1, 1. Halbs. BGB). Die Verwaltungstestamentsvollstreckung wird in der Praxis angeordnet, bis Minderjährige ein bestimmtes Alter erreicht haben, zu welchem sie den Nachlass ausgehändigt erhalten (z.B. an deren 25. Geburtstag). Weiterhin ist bei der Pflichtteilsbeschränkung in guter Absicht gemäß § 2338 BGB eine Verwaltungsvollstreckung möglich: Bei überschuldeten oder verschwenderischen Kindern kann durch diese Art der „Zwangsfürsorge“ der Nachlass für den überschuldeten Abkömmling als Erben erhalten werden. Weil das Gesetz von der Abwicklungsvollstreckung als Grundlage ausgeht, muss der Erblasser, wenn er eine solche Verwaltungstestamentsvollstreckung wünscht, diese ausdrücklich anordnen.

Welchen Inhalt hat die Dauertestamentsvollstreckung?

Bei einer Dauertestamentsvollstreckung handelt es sich um eine Kombination der Abwicklungs- mit der Verwaltungsvollstreckung: Der Testamentsvollstrecker hat gemäß § 2209 S. 1, 2. Halbs. BGB bei der Dauertestamentsvollstreckung die Aufgabe, den Nachlass zunächst abzuwickeln und anschließend zu verwalten. Die Dauertestamentsvollstreckung endet gemäß § 2210 S. 1 BGB spätestens nach 30 Jahren seit Eintritt des Sterbefalls, außer der Erblasser hat diese Art von Vollstreckung in seinem Testament ausdrücklich zeitlich begrenzt oder das Ende an eine Bedingung geknüpft. Laut § 2210 S. 2 BGB kann der Erblasser die Dauertestamentsvollstreckung auch über den Zeitraum von 30 Jahren hinaus erstrecken, nämlich wenn er anordnet, dass die Verwaltung bis zum Tod des Erben oder bis zum Tod des Testamentsvollstreckers oder bis zum Eintritt eines anderen Ereignisses in der Person des Erben bzw. des Testamentsvollstreckers fortzudauern hat.

Welchen Inhalt, welchen Zweck hat die Vermächtnisvollstreckung?

Dem Erblasser steht es frei, in seinem Testament jemandem einen Vermögensvorteil (z.B. einen Geldbetrag, eine Immobilie, den Hausrat, ein Wohnungs- oder Nießbrauchrecht, usw.) zuzuwenden, ohne dass er den Empfänger als Erben einsetzt, § 1939 BGB.

Welchen Inhalt hat eine gegenständlich beschränkte Testamentsvollstreckung?

Der Erblasser kann eine Testamentsvollstreckung auf bestimmte Nachlassgegenstände beschränken. Nur diese unterstehen dann der Verwaltungsbefugnis des Testamentsvollstreckers. Diese Art der Testamentsvollstreckung bietet sich an, wenn einzelne Nachlassgegenstände schwierig auseinanderzusetzen sind.

Welchen Inhalt, welchen Zweck hat eine Erbteilsvollstreckung?

Sind mehrere als Miterben berufen, kann der Erblasser bestimmen, dass die Testamentsvollstreckung sich nur auf einen Erbteil eines der Miterben beschränkt. Innerhalb der Erbengemeinschaft übernimmt dann der Testamentsvollstrecker alle Rechte und Pflichten des beschwerten Miterben. Diese Art der Testamentsvollstreckung ist sinnvoll, wenn unerfahrene Miterben in einer Erbengemeinschaft verbunden sind.

Welchen Inhalt, welchen Zweck hat eine Nacherbenvollstreckung?

Das Rechtsinstitut der Vor- und Nacherbschaft (§ 2100 BGB) ermöglicht es dem Erblasser, seinen Nachlass über zwei oder mehrere Generationen hinweg zu vererben. Dazu bestimmt er zunächst, dass sein Nachlass zunächst einem Erben zufließt (dem Vorerben), bestimmt aber zugleich, wer dieses Vorerbenvermögen nach diesem berufenen Vorerben bekommen soll (der Nacherbe). Der Vor- und Nacherbe sind als Erben desselben Erblassers, jedoch zeitlich nacheinander.

Mittels der Vor- und Nacherbschaft verhindert der Erblasser, dass die Substanz seines Nachlasses vom (Vor-)Erben aufgebraucht wird; das Vorerbenvermögen bildet in der Hand des Vorerben ein Sondervermögen, welches er von seinem Eigenvermögen getrennt verwalten muss. Dem Vorerben stehen nur die Nutzungen der Vorerbschaft (z.B. Bankzinsen, Mieteinnahmen, usw.) zu. Der Nacherbe erbt zeitlich erst nach dem Vorerben die Vorerbschaft. Damit der Nacherbe geschützt ist, unterliegt der Vorerbe verschiedenen Verfügungsbeschränkungen. Der Vorerbe darf z.B. Grundstücke, Eigentumswohnungen, Immobilien, die zum Nachlass gehören, nur mit Zustimmung des Nacherben belasten oder gar veräußern (§ 2113 I BGB).

Damit die Rechte und Pflichten des Nacherben gegenüber den Vorerben für die Dauer der Vorerbschaft gewahrt werden, kann der Erblasser hierzu eine Nacherbenvollstreckung anordnen, § 2222 BGB. Der Testamentsvollstrecker nimmt in diesen Fällen die Kontroll- und Auskunftsrechte des Nacherben bis zum Eintritt des Nacherbfalles wahr. In der Praxis wird die Nacherbentestamentsvollstreckung beispielsweise dann angeordnet, wenn ein Nacherbe noch minderjährig ist, noch gar nicht geboren oder derzeit unbekannt ist und somit für die Dauer der Vorerbschaft nicht vollständig handlungsfähig ist.

Person des Testamentsvollstreckers

Wer ist als Testamentsvollstrecker geeignet?

Wer schon einmal einen Nachlass auseinandergesetzt hat, weiß, wie mühsam, zeit- und kraftaufwändig dies ist. Vieles ist dabei zu beachten: Die Sicherung des Nachlasses, möglicherweise die Auflösung der Wohnung des Verstorbenen, die Inaugenscheinnahme aller Unterlagen, Erstellung eines Nachlassverzeichnisses, Beitreibung von Außenständen, die Aufklärung über alle bestehenden privaten oder geschäftlichen Vertragsbeziehungen des Verstorbenen, Rechnungen sind zu bezahlen, Grundstücke im Grundbuch oder Bankkonten sind umzuschreiben, Haustiere sind zu versorgen, die Grabpflege ist zu veranlassen, die Erbschaftsteuererklärung muss gefertigt und fristgerecht abgegeben werden, usw. Aus verschiedenen Gründen können die Erben solche umfassenden Aufgaben oft nicht selbst wahrnehmen. Berufstätige müssen Ihre Zeit für die Arbeitsstelle aufbringen, minderjährige Erben sind hinsichtlich dieser Tätigkeiten schon kraft Gesetzes rechtlich eingeschränkt, weit entfernt wohnende Erben oder Vermächtnisnehmer sind kaum in der Lage, diese Aufgaben zu übernehmen, usw. Insbesondere bei einem umfangreichen und werthaltigen Nachlass kann ein erfahrener Testamentsvollstrecker die Familienangehörigen des Verstorbenen entlasten, diese beraten und bei der Nachlassabwicklung hilfreich zur Seite stehen.